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Das Maul- und Klauenseuchen-Virus für den Menschen ungefährlich
Wirtschaftliche Verluste, aber kaum gesundheitliche Folgen durch die MKSslz. Seit kürzlich der erste Fall von Maul- und Klauenseuche (MKS) ausserhalb von Grossbritannien in Frankreich bekannt geworden ist, zittern nun auch die anderen europäischen Länder noch mehr als zuvor. Denn Zehntausende von Schafen und Rindern und mit ihnen eventuell auch die MKS wurden in den vergangenen Wochen aus Grossbritannien in andere EU-Länder transportiert. Laut Christian Griot, dem Leiter des Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) in Mittelhäusern im Kanton Bern, ist die Schweiz hingegen in der glücklichen Lage, in den letzten Wochen keinerlei britische Tiere eingeführt zu haben.
Seit 1898 bekanntDer Verursacher von MKS ist ein sehr kleines Virus aus der Familie der Picorna-Viren. Es wurde bereits 1898 als erstes Virus, das Tiere infiziert, entdeckt. MKS kommt in einigen LändernAfrikas, Asiens, Südamerikas sowie dem Mittleren Osten endemisch vor. Mittlerweile kennt mansieben Typen des MKS-Virus, die heutzutage problemlos im Labor unterschieden werden können.Momentan wütet in Europa das Virus vom sogenannten panasiatischen O-Typ. Im Jahr 2000 hatdieser Typ in mehreren Ländern, darunter Brasilien, Südafrika, Ägypten, der Türkei, Iran, Russland, der Mongolei oder Japan, sein Unheil getrieben, dieses Jahr wurde er ausser in Grossbritannien und nun in Frankreich auch in der Mongolei, in Taiwan und in Südafrika beobachtet. Woher das nun in Europa präsente MKS-Virus kam, ist unklar. Der letzte MKS-Fall in der Schweiz trat 1980 auf und war laut Griot durch fehlerhaften Impfstoff ausgelöst worden. MKS-Viren werden bei Temperaturen über 50 Grad inaktiviert, ebenso durch bestimmte Desinfektionsmittel. Darüber hinaus sind sie sehr säureempfindlich, so dass sie im Magen zerstört werden. Deshalb befallen sie bevorzugt den Hals- Nasen-Rachen-Raum. Anfällig für das Virus sind Paarhufer wie Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Hirsche, aber auch Ratten oder Elefanten. Bei infizierten Tieren sind bereits einige Tage vor Ausbruch der Erkrankung Speichel, Samen, Kot, Urin sowie die Milch, später auch das Blut, mit den Viren kontaminiert. Tiere können sich dementsprechend durch direkten oder indirekten Kontakt via Tröpfcheninfektion anstecken. Doch daMKS-Viren auch an der Kleidung oder an Fahrzeugen haften bleiben und dort überleben, können sie via Menschen oder Fahrzeugen von einem Bauernhof zum anderen gelangen. Sogar in der Luft überleben MKS-Viren; sie können je nach klimatischen Bedingungen bis zu 300 Kilometer mit dem Wind fliegen. Es existiert zwar eine Impfung gegen die MKS , doch sie wird in der EU und der Schweiz seit 1991 nicht mehr durchgeführt. Denn da man nach einer Impfung nicht mehr unterscheiden kann, ob das betroffene Tier eine MKS durchgemacht hat oder nur geimpft worden ist, können geimpfte Tiere und aus ihnen hergestellte Produkte nicht exportiert werden.
Tier auch nach der Heilung VirenträgerDie durchschnittliche Inkubationszeit der Tiere, also die Phase von dem ersten Aufnehmen des Virus bis zum Ausbruch der Symptome, beträgt 3 bis 8 Tage, im Einzelfall aber auch bis zu 14 Tage. Die Anzeichen für eine Infektion sind Blasen am oder im Mund sowie an den Füssen, Fieber, Lahmheit, Stumpfsinn, bei Kühen auch starkes Geifern, Zittern und wunde Zitzen. Nur wenige der erwachsenen Tiere sterben jedoch an der MKS. Hingegen sterben ungefähr 75 Prozent der infizierten Jungtiere an der MKS, in der Regel an einer Entzündung des Herzmuskels. Da die Tiere die MKS überleben, stellt sich natürlich die Frage, warum man jetzt in ganz Europa nicht nur kranke Tiere, sondern auch Tiere, die tatsächlich oder gar nur möglicherweise mit kranken Tieren Kontakt hatten, vernichtet. Das MKS-Virus ist nicht nur wegen seiner enormen Verbreitungskapazität gefährlich. Zum einen litten kranke Tiere unter sehr starken Schmerzen, erläutert Griot. Zweitens seien Tiere, die die MKS nach zwei bis drei Wochen überstanden hätten, auch danach für ungefähr noch ein Jahr Träger und Ausscheider des Virus und könnten somit andere, noch gesunde Tiere anstecken. Ausserdem wiesen Kühe nach einer MKS eine derartschlechte Milchleistung auf, dass sie in der westlichen Welt nicht mehr rentabel seien.
Prinzipiell auf Menschen übertragbarDie grösste Bedrohung, die für den Menschen von dem MKS-Virus ausgeht, ist die wirtschaftliche Einbusse durch den Verlust der Tiere. Dennlaut Griot ist das Virus für den Menschen ungefährlich. Es könne zwar prinzipiell auf den Menschen übertragen werden - so seien in der Fachliteratur bisher ungefähr 40 Fälle beschrieben.Doch angesichts der weltweit unzähligen Kontakte von Menschen mit an MKS infizierten Tieren sei dies ein extrem seltenes Ereignis. Erkrankte Personen leiden, so ist medizinischen Texten zu entnehmen, ebenso wie die Tiere unter Fieber und Blasen an den Händen sowie im Mund- und Rachenraum. Die Erkrankung verläuft in der Regel sehr mild. Vermutlich haben sich die beschriebenen Personen durch engen Kontakt mit infizierten Tieren angesteckt. Doch wie eine Ansteckung erfolgt, weiss man nicht. Griot gibt auch zu bedenken, dass manche oder eventuell sogar viele der beschriebenen Fälle möglicherweise gar keine «menschliche» MKS gewesen seien, sondern eine ähnlich verlaufende und nur den Menschen betreffende Erkrankung namens Hand-Fuss-Mund-Krankheit. Es sei nämlich früher, so betont Griot, nicht möglich gewesen, das für eine Infektion verantwortliche Virus derart genau wie heutzutage zu bestimmen. Es sei deshalb nicht auszuschliessen, dass früher wegen der ähnlichen Symptome die beiden Erkrankungen verwechselt worden seien.
Verschärfte Seuchenbekämpfung in Grossbritannienpgp. London, 15. März Diese Woche haben sich die Hoffnungen der britischen Behörden zerschlagen, dass die am 19. Februar entdeckte Maul- und Klauenseuche rasch eingedämmt werden kann. Die Zahl der Erkrankungen ist in beschleunigtem Tempo weiterauf nunmehr bald 250 angestiegen. Wenn Landwirtschaftsminister Brown nach wie vor insistiert, die Situation sei «absolut unter Kontrolle», dann nur in dem Sinne, dass die Ausbreitung bisher in den erwarteten Bahnen verlaufen ist, vermutlich vollständig erfasst wird und systematisch bekämpft werden kann.
Katastrophe oder nicht?Nicht allen Kommentatoren erscheint diese Formulierung angepasst, denn es liegt in der Natur der Sache, dass - bei einer Inkubationszeit von ungefähr zwei Wochen - Diagnose und Abwehrmassnahmen hinter der Seuche herhinken.Dass allerdings von einer «nationalen Katastrophe» nur sehr bedingt die Rede sein kann, belegtdie von einem Regierungssprecher hervorgehobene Tatsache, dass weniger als ein Prozent der Bauernhöfe von der Krankheit direkt betroffen oder wegen der Nähe zu infizierten Tieren vorsorglich unter Quarantäne gestellt worden sind.Ein irischer Minister hatte am Sonntag Grossbritannien als «Europas Leprakranken» tituliert undden britischen Behörden Versagen und Selbstgefälligkeit vorgeworfen. Brown konnte ihm Unkenntnis einiger Fakten nachweisen und wies die von altem irischem Ressentiment genährte Kritik zurück. Als anderseits am Dienstag ein Fall von Maul- und Klauenseuche in Frankreich bestätigt wurde, bat Brown um Entschuldigung dafür, dass die Ausbreitung aufs Festland nicht völlig hatte verhindert werden können. Die Regierung will jetzt, wie Brown am Donnerstag im Unterhaus in London darlegte, noch aktiver und offensiver gegen die Seuche vorgehen. In den am stärksten betroffenen Gebieten im Norden und im Südwesten Englands und in Südschottland werden nunmehr nicht nur jene Bestände notgeschlachtet, in denen Maul- und Klauenseuche nachgewiesen ist, sondern auch alle übrigen Herden in einem Umkreis von drei Kilometern. Ebenfalls sollen jene Tiere prophylaktisch ausgemerzt werden, die auf Märkten oder bei Transporten vor dem Ausbruch der Seuche und dem Erlass des generellen Bewegungs- und Transportverbots mit infizierten Tieren in Kontakt hätten gekommen sein können. Bei den betroffenen Bauern stösst diese Absicht oft auf Unverständnis und Widerstand, doch der staatliche Chefveterinär und andere Experten haben die verschärften Massnahmen eindringlich empfohlen. Vom Präsidenten des britischen Bauernverbandes (NFU) werden sie unterstützt.
Bald Lockerung in seuchenfreien GebietenDie neue Tragödie in einer ohnehin notleidenden Landwirtschaft hat am Mittwoch einen Bauern zum Selbstmord getrieben. Die steigende Gefahr von Ruin und Suizid hat Prinz Charles bewogen, 500 000 Pfund aus den Mitteln seiner wohltätigen Stiftung für Notfälle zur Verfügung zu stellen. Immer gravierender werden die Auswirkungen der Seuche auch für andere ländlicheWirtschaftszweige. Insbesondere rechnet der Tourismus mit Einnahmeausfällen von 100 MillionenPfund. Die Behörden versuchen deshalb der Bevölkerung klar zu machen, dass der Grossteil des Landes seuchenfrei und zugänglich sei mit dem Vorbehalt, keine Viehbetriebe zu besuchen. Brown hat in Aussicht gestellt, dass binnen sieben bis zehn Tagen in seuchenfrei gebliebenen Gebieten mit dem Abbau der verfügten Restriktionenbegonnen und die Rückkehr zur Normalität eingeleitet werden soll. Abgesehen von den Diskussionen über die Opportunität von Lokal- und eventuell Unterhauswahlen am 3. Mai ist die Maul- und Klauenseuche bisher kaum zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen geworden. Die Opposition bescheinigt der Regierung grundsätzlich, richtig reagiert zu haben. Im Einzelnen haben die Konservativen kritisiert, dass Verbrennung der Kadaver notgeschlachteter Tiere oft mit Verzögerung erfolgt und den vermehrten Hilfseinsatz der Armee gefordert. |
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