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SZ vom 1. Dezember 2000, Politik

Infektion über Böden unbewiesen
Experten nehmen Bodenproben auf Hof in Hörsten


Foto: dpa
Skeptisch haben Experten und Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke auf die These reagiert, der BSE-Erreger könne auch über Böden und Weiden übertragen werden. Funke forderte am Donnerstag möglichst rasche Aufklärung angesichts entsprechender Erkenntnisse des Wissenschaftlichen Beirates Bodenschutz der Bundesregierung. Dessen Vorsitzender Hans-Willi Thoenes hatte von einem „hinreichenden Verdacht“ gesprochen, dass der Erreger langfristig in Böden überdauere.

Von Pflanzen aufgenommen oder nicht?

Der SPD-Minister sprach sich dafür aus, Flächen des schleswig-holsteinischen Betriebes in Hörsten, auf dem die erste BSE-Kuh in Deutschland entdeckt wurde, für Forschungszwecke zu pachten. Zugleich wies er aber auch auf andere wissenschaftliche Meinungen hin, wonach Prionen (Eiweiße, die sich bei BSE krankhaft verändern) nicht von Pflanzen aufgenommen werden.

Anerkannte Experten zweifeln

Nach Ansicht des Münchner BSE-Experten Hans Kretzschmar wird der Erreger nicht über Weiden und Böden weitergegeben. Dafür gebe es bisher keinen Hinweis, sagte der Leiter des Instituts für Neuropathologie an der Universität München in einem Rundfunkinterview. „Wenn das wirklich so wäre, dann würde man erwarten, dass in Großbritannien zahlreiche Tiere erkrankt sind, weil sie sich über die Weiden angesteckt haben. In der Tat ist es aber so, dass es sehr viele Tierherden in Großbritannien gibt, in denen immer nur ein oder zwei Tiere erkrankt sind.“ Auf diesen Umstand wies auch das Robert Koch-Institut (Berlin) hin, das ebenfalls keine Hinweise für eine Übertragung von BSE-Erregern über Böden sieht.

Eine Spekulation

Für sehr unwahrscheinlich hält auch der Experte Bernd Haas von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten (Tübingen) eine Ansteckung über Böden. „Diese Hypothese ist eine Spekulation – mehr nicht“, sagte der Tierarzt. Er erinnerte daran, dass die verwandte Krankheit Scrapie bei einigen Schafen auf Island über die Nachgeburt übertragen worden sei. Bei Rindern fehle aber bisher jeder Nachweis, dass BSE-Erreger über den Kot oder die Nachgeburt weitergegeben werden könne.

Bodenproben in Schleswig-Holstein

In Hörsten wurden unterdessen auf dem Hof, auf dem der erste deutsche BSE-Fall entdeckt worden war, Bodenproben entnommen. Sie sollen aufbewahrt werden, bis eine Untersuchungsmethode zur Feststellung von BSE-Erregern gefunden ist. Die Regierung in Kiel teilte am Donnerstagnachmittag mit, es gebe keinen weiteren Fall von Rinderwahnsinn bei Tieren aus Schleswig-Holstein. Die vorliegenden Ergebnisse von 32 Proben seien durchweg negativ, hieß es.

Links:

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