Rinderwahnsinn
SZ vom
27.1.2001, Dokumentation Viele Versäumnisse
20 Jahre in der Forschung verloren
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Habt ihr denn in den letzten zehn Jahren geschlafen? Hat die Wissenschaft denn nichts getan, um diese oder jene Punkte aufzuklären und experimentell zu klären? Das werde er immer wieder von Journalisten gefragt, berichtete Professor Kaaden.
Vorwurf an die Wissenschaft
Der Grund für solche Fragen: Noch immer sind die genauen Infektionswege der BSE nicht bekannt, man kennt zwar einige, aber sicherlich nicht alle.
Es gibt noch immer keine BSE-Tests am lebenden, noch nicht erkrankten Tier. Da die Krankheit bereits Anfang der 80er Jahre in England auftrat, hätte man quasi von dem Moment an intensiv forschen können, was jedoch versäumt wurde. Experten beklagen daher, dass man 20 Jahre in der Forschung verloren haben.
Auch Professor Kaaden ist sich dessen bewusst, konnte jedoch berichten, dass er selbst schon 1992 auf einem internationalen Symposium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Virologie und der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft angeregt hat, ein Forschungsprogramm für fünf Jahre aufzulegen, mit der Möglichkeit, es um fünf weitere Jahre zu verlängern. Diese lange Laufzeit begründete sich aus der langen Inkubationszeit.
Es muss erst knallen
Wir haben diese Anträge bei allen Bundesministerien und einschlägigen Forschungseinrichtungen einschließlich der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestelltund sind abschlägig beschieden worden, berichtete Professor Kaaden. Wohingegen die Creutzfeldt-Jakob-Forschung aus naheliegenden Gründen doch mit erheblichen Mitteln gefördert wurde.
Die deutsche veterinärmedizinische Forschung habe keinesfalls geschlafen, versicherte der Tiermediziner, sondern wir haben in diesen zehn Jahren mindestens drei Anträge gestellt an entsprechende Forschungsträger, mit negativem Erfolg.
Kaaden zitierte aus einem Statement, das er 1993 in der Schweiz veröffentlicht hat: Wenn die Forschung auf dem Gebiet der unkonventionellen Erreger heute sagen wir Prionen dazu in unserem Land nicht intensiviert wird, dann werden wir bleiben, was wir sind: ein unterentwickeltes Land.
Diese Feststellung kann ich heute nur wiederholen, und ich möchte dem hinzufügen, es musste erst etwas geschehen, bevor etwas geschieht.
Empfindlichere BSE-Tests
Die BSE-Forschung ist demnach zum großen Teil aufgrund der Versäumnisse der Politik nicht rechtzeitig in Gang gekommen.
BSE war auch von Anfang an eine politische Krankheit, erklärte Professor Kaaden. So sei die Information über die neue Krankheit Mitte der 80er Jahre in England von der Regierung zurückgehalten wurde, um den Export nicht zu gefährden.
Erst 1995/96, nach dem Auftreten der neuen Variante der CJK, habe man diese Vorgabe geändert. Ganz klar, dass bei einer solchen Geheimhaltungspolitik selbst die britischen Forscher sich nicht so engagieren konnten, wie sie sicher gewollt hätten.
Lediglich in den von der Regierung finanzierten Forschungsinstituten war über BSE gearbeitet worden. Davon hatte jedoch kaum jemand erfahren. Aus diesem Grunde stehen die Wissenschaftler auch heute noch vor vielen Rätseln. Ein dringliches Problem ist derzeit die Entwicklung von empfindlicheren und daher in früherem Alter der Rinder einsetzbaren Tests.
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