Rinderwahn, 24. November 2000
Erstmals BSE in deutschen Rindern festgestellt
Test bei Tier in Schleswig-Holstein positiv / Auf die
Azoren exportierte Kuh trägt ebenfalls den Erreger
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Probennahme für BSE-Test
Foto: ap
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Erstmals ist bei zwei in Deutschland geborenen Rindern bei
Schnelltests die Seuche BSE entdeckt worden. Bei einem der Tiere handelt es
sich um eine rot-bunte Kuh, die 1996 in Schleswig-Holstein geboren wurde.
Außerdem wurde ein 1995 in Sachsen-Anhalt geborenes Rind in Portugal -
genauer auf den Azoren - positiv getestet. Deutschland galt bisher als
BSE-frei: Bei den zwischen 1992 und 1997 entdeckten sechs Fällen handelte
es sich um Importrinder.
Das Magdeburger Agrarministeriums teilte am
Freitag mit, das Rind aus Sachsen-Anhalt sei 1998 auf die Azoren exportiert
worden. Der betreffende Zuchtbetrieb sei geschlossen worden. Es könnten
keine Tiere mehr hinein oder heraus.
Referenztest in Tübingen
Auch die
Landesregierung in Kiel bestätigte den BSE-Verdacht am Freitag. Die
endgültigen Ergebnisse sollen nach Untersuchungen des nationalen
Referenzlabors in Tübingen Anfang kommender Woche vorliegen. Das Tier mit
dem BSE-Verdacht wurde bereits am Mittwoch in Itzehoe geschlachtet. Es war die
ganze Zeit auf dem selben Betrieb im Kreis Rendsburg-Eckernförde gehalten
worden. Das Fleisch des Schlachttieres sei sofort sichergestellt worden,
hieß es. Der Schlachthof wurde geschlossen und der Rinderbetrieb
gesperrt.
Freiwillige
Untersuchung
Bei einem Schnelltest in einem Hamburger Privatlabor
waren die A- und die B-Probe des Tieres aus Schleswig-Holstein positiv
ausgefallen. Das Fleisch hatte eine Handelskette freiwillig untersuchen lassen.
Fleisch angeblich noch nicht im
Handel
Das Fleisch des positiv getesteten Tieres soll noch nicht
im Handel sein. Jetzt wird nach dem Fleisch auch der anderen drei Tiere
gefahndet, die am gleichen Tag in dem Schlachtbetrieb im Kreis Steinburg
geschlachtet wurden. Die sichergestellten Risikomaterialien wurden nach Angaben
der Landesregierung an das Lebensmittel- und Veterinäruntersuchungsamt in
Neumünster und von dort an das nationale Referenzlabor für BSE in
Tübingen weiter geleitet.
Weitere
Maßnahmen
Nach Bekanntwerden des Falles am Freitag wurde in
Kiel als Sofortmaßnahme angeordnet, alle 153 Schlachttiere vom 22.
November sicherzustellen, einschließlich der vorhandenen
Schlachtnebenprodukte. Gleiches gilt für die gesamte Tiermehlproduktion
seit Mittwoch in der für den Schlachtbetrieb zuständigen
Tierkörperbeseitigungsanstalt. Außerdem wurde der Herkunftsbetrieb
des BSE-verdächtigen Rindes gesperrt.
Die schleswig-holsteinischen
Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Ingrid Franzen (SPD) und Klaus
Müller (Grüne), kündigten in Kiel Konsequenzen an. So werde die
Fütterung des Tiers lückenlos nachvollzogen. Alle Tiere, die das
gleiche Futter erhalten haben, würden getötet. Wenn die
Untersuchungen in Tübingen den BSE-Befund bestätigen, sollen alle
Rinder des Herkunftsbestandes getötet werden.
Deutsche BSE-Kuh auf den Azoren
Auf den
Azoren ist bei einer in Deutschland geborenen Kuh BSE festgestellt worden. Es
ist der erste Fall von Rinderwahnsinn auf der portugiesischen Inselgruppe. Wie
das Landwirtschaftsministerium in Lissabon am Donnerstagabend mitteilte, wurden
die Bundesregierung in Berlin und die EU-Kommission über den Fall
informiert. Die Behörden der Azoren kündigten die Notschlachtung von
mehr als 2.600 Rindern an, die in den vergangenen Jahren auf die Inselgruppe
exportiert wurden. Die Hälfte davon kam aus Deutschland.
In Hannover geboren
Die betreffenden Kuh
wurde den Angaben zufolge 1995 in der Nähe von Hannover geboren und 1998
auf die Insel Sao Miguel exportiert. Die Behörden beschlagnahmten den Hof,
auf dem sie lebte, und ordneten eine Untersuchung an.
Auf den Azoren kein Tiermehl als
Futter
Auf dem portugiesischen Festland wurden seit 1990 467
Fälle von Rinderwahn bekannt. Die Azoren waren von dem 1998
verhängten EU-Exportverbot für portugiesisches Rindfleisch
ausgenommen, weil die Tiere dort ganzjährig grasen können und nicht
mit Tiermehl zugefüttert wird. Wissenschaftler nehmen an, dass durch den
Verzehr von mit BSE-infiziertem Rindfleisch beim Menschen eine Variante der
tödlichen Creutzfeld-Jakob-Krankheit ausbrechen kann.
Quellen:
dpa/AP
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sueddeutsche.de vom 24. 11.2000 Krankheitskeime im
Tiermehl Vorschriften zur Abtötung werden in den
Tierverwertungsanstalten nicht immer eingehalten
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Dossier Risiko Rinderwahn
Alles über BSE, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die
Infektionsrisiken und BSE-Schnelltests |
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SZ-Artikel vom 22. November 2000
Wahnsinnig teuer
Ein EU-weites Verbot der Tiermehl-Fütterung
würde mehr als vier Milliarden Euro kosten |
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SZ-Artikel vom 22. November 2000
Trügerische
Sicherheit BSE-Schnelltests sind kein zuverlässiger Schutz vor
der Rinderseuche |
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SZ-Artikel vom 22. November 2000
Was gefährlich
ist und was nicht Interview
mit dem Creuzfeldt-Jakob-Experten Hans Kretzschmar über Essgewohnheiten,
Ansteckungs-Risiken und die geplanten Tests |
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sueddeutsche.de vom 21. November
2000 Flächendeckende BSE-Tests beschlossen
Die EU will künftig mit BSE-Schnelltests die Gefahren
der Rinderseuche eindämmen. |
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sueddeutsche.de vom 23. November
2000 Hoffnung auf Früherkennung der
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit Forscherhaben einen Ansatz entdeckt, der langfristig zu
einer Therapie der Krankheit und neuen BSE-Tests führen könnte.
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