Rinderwahn, 24. November 2000
Krankheitskeime im Tiermehl
Vorschriften zur Abtötung werden nicht immer
eingehalten
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Tiermehl wird noch an Schweine und Geflügel
verfüttert (Foto: AP)
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Tiermehl wird in den sogenannten
Tierkörperbeseitigungsanlagen (TBA) hergestellt. Dort wird allerdings
nicht immer korrekt gearbeitet. Vor allem in britischen Anlagen wurden die
vorgeschriebenen Temperaturen bei der Verbrennung nicht eingehalten. Da TBA
nicht nur Schlachtabfälle, sondern auch verendete Nutz- und Haustiere
einschließlich toter Versuchstiere verarbeiten, steigt die Gefahr, dass
Krankheitskeime nicht abgetötet werden.
Mit Hitze und Druck gegen Keime
Um die Keime
abzutöten, gilt in Deutschland bereits seit 1939 und in der EU seit 1996,
dass Tierabfälle bei der Verarbeitung zu Tiermehl 20 Minuten lang einem
Druck von drei Bar und einer Temperatur über 130 Grad Celsius ausgesetzt
sein müssen.
Vorschriften teilweise
nicht eingehalten
Doch ohne strikte Kontrollen ist eine
konsequente Einhaltung dieser Regel nicht gewährleistet. Denn jedes Grad,
um das die vorgeschriebene Temperatur unterschritten wird, spart den TBA bares
Geld. So senkten die Briten 1981 in ihren Anlagen die Prozesstemperatur auf 80
Grad Celsius. Seither sind Hunderttausende Rinder an Rinderseuche (BSE)
erkrankt und gestorben.
Methode mit
Tradition
Bauern verwenden traditionell Schlachtabfälle als
Futter für Schweine und Geflügel. Diese Tiere brauchen bestimmte
Proteine und Aminosäuren und können tierisches Futter gut verdauen.
Mit der Massentierhaltung wurde aus dem direkten Weg von der
Schlachtbank in den Futtertrog der Schweine die industrielle Produktion von
Tiermehl. Bis zum EU-Verbot 1994 erhielten auch Rinder das billige Kraftfutter.
Die Verfütterung von Tiermehl soll in Deutschland nun völlig
verboten werden. Derzeit ist nur die Verfütterung an Wierderkäuer
untersagt, nicht aber an Schweine, Geflügel und Fische.
Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke hat sich auch auf der Tagung der
EU-Agrarminister gegen ein generelles Verbot von Tiermehl ausgesprochen.
Argumente gegen das Verbot
Ein
EU-weites Verbot von Tiermehl und seine Vernichtung würde drei Milliarden
Euro kosten, die Beschaffung von Ersatzfutter noch einmal 700 Millionen Euro,
heißt es bei der Europäischen Kommision. Außerdem müssten
Fütterungsalternativen beschlossen werden, etwa ob Futter in ausreichender
Menge in Europa angebaut werden solle oder ob man Soja aus den USA importieren
müsse. Außerdem fragt man sich, was bei einem Verbot mit den
Tierkadavern geschehen solle.
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Dossier Risiko Rinderwahn
Alles über BSE, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die
Infektionsrisiken und BSE-Schnelltests |
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SZ-Artikel vom 22. November 2000
Wahnsinnig teuer
Ein EU-weites Verbot der Tiermehl-Fütterung
würde mehr als vier Milliarden Euro kosten |
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SZ-Artikel vom 22. November 2000
Trügerische
Sicherheit BSE-Schnelltests sind kein zuverlässiger Schutz vor
der Rinderseuche |
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SZ-Artikel vom 22. November 2000
Was gefährlich
ist und was nicht Interview
mit dem Creuzfeldt-Jakob-Experten Hans Kretzschmar über Essgewohnheiten,
Ansteckungs-Risiken und die geplanten Tests |
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sueddeutsche.de vom 21. November
2000 Flächendeckende BSE-Tests beschlossen
Die EU will künftig mit BSE-Schnelltests die Gefahren
der Rinderseuche eindämmen. |
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sueddeutsche.de vom 23. November
2000 Hoffnung auf Früherkennung der
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit Forscherhaben einen Ansatz entdeckt, der langfristig zu
einer Therapie der Krankheit und neuen BSE-Tests führen könnte.
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Widerstand in Deutschland
Ein generelles
Verbot der Verfütterung von Tiermehl scheiterte auch am deutschen
Widerstand. Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) hält die
Sicherheitsstandards bei der Verbrennung von Tierkadavern in Deutschland
für ausreichend. An Schweine, Geflügel und Fische könne Tiermehl
ohne Bedenken verfüttert werden.
Dem stimmt auch der
Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, zu. Das
deutsche Tiermehl, so Sonnleitner, lasse sich mit dem aus Frankreich und
Großbritannien nicht in einen Topf werfen. In Deutschland werde das
Tiermehl in einem absolut sicheren Verfahren bearbeitet und nicht an
Wiederkäuer verfüttert.
Die Tierkadaver-Verbrennungsanlagen
in Großbritannien und Frankreich müssten jedoch auf den neuesten
technischen Stand gebracht werden.
Forderung
nach generellem Tiermehlverbot
Bundesgesundheitsministerin Andrea
Fischer (Grüne) sprach sich dagegen erneut für ein generelles Verbot
der Verfütterung von Tiermehl. Dies schaffe mehr Sicherheit. So könne
auch eine Verwechslung unterschiedlicher Futtermittel durch die Landwirte von
vornherein ausgeschlossen.
"Ich glaube, es muss auch aus der
Perspektive der Landwirte ein starkes Interesse daran geben, mit allen diesen
Maßnahmen das Vertrauen der Verbraucher wiederherzustellen." Darüber
hinaus will Fischer, dass jedes Rind auf BSE getestet wird, bevor es in den
Verkauf kommt. Der Agrarrat hatte sich darauf geeinigt, ab 2001
Schnelltests für Tiere einzuführen, die verendeten oder
notgeschlachtet wurden.
Quellen:
sueddeutsche.de/SZ/dpa/AP
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