Anzeigenmärkte Bitte hier klicken!

Anzeigen - Mediadaten - Archiv - Magazine - Verlag - Fachverlag   Kontakt - Vertriebsservice
Süddeutsche Zeitung OnlineWissenschaft
Aktuell
Nachrichten
Wirtschaft
Kultur
Wissenschaft
Computer
Karriere
Reise
Sport
Wetter

Zeitung
Aktuelle Ausgabe

jetzt:
Das Jugendmagazin


Anzeigen
Kfz-Markt
Stellenmarkt
Bewerbermarkt
Mietmarkt
Immobilienmarkt
Bekanntschaften
Internet-Adressen

Zeitung
Newsletter
SZ-Probeabo
SZ-Shop

Über uns

Marktplatz
WissenschaftWissenschaft
SZ vom 22. November 2000, München

Was gefährlich ist und was nicht

Creuzfeldt-Jakob-Experte Hans Kretzschmar über Essgewohnheiten, Ansteckungs-Risiken und die geplanten Tests

Hans Kretzschmar
vCJK-Experte Hans Kretzschmar (Foto: dpa)
Das Thema BSE verunsichert viele Verbraucher: Welches Fleisch darf man essen? Wie könnte man sich infizieren?

Wie viele Menschen werden an Creutzfeldt-Jakob erkranken,?

Hans Kretzschmar, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität, forscht seit den achtziger Jahren über die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.



SZ: Wie hoch ist nach Ihrer Ansicht das Risiko, sich heute in Deutschland mit Creutzfeldt-Jakob zu infizieren, wenn man Rindfleisch isst?

Hans Kretzschmar: Wenn man Muskelfleisch isst, ist die Gefahr minimal – vielleicht gibt es sogar überhaupt keine Gefahr. Das liegt daran, dass die Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die Prionen, noch nie in Muskelfleisch nachgewiesen wurden. Das wissen wir aus diversen Tierversuchen mit verschiedenen Arten. Nun könnte es allerdings sein, dass es in Muskelfleisch so wenige Erreger gibt, dass unsere Tests sie nicht nachweisen können. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, dass Prionen in Muskelfleisch überhaupt nicht vorkommen. Doch selbst dann wäre die Konzentration der Erreger so gering, dass die Gefahr für den Konsumenten minimal wäre.

SZ: Wie gefährlich schätzen Sie Rinderhirn ein? Erkrankte Tiere haben dort ja die meisten Krankheitserreger.

Kretzschmar: Wenn jemand das Hirn eines erkrankten Rindes gegessen hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er eines Tages an Creutzfeldt-Jakob erkrankt. Denn in einem Gramm Hirn eines erkrankten Rindes kann man Millionen Erreger nachweisen – eine erhebliche Gefahr.

SZ: In Großbritannien kamen es in den achtziger Jahren viele erkrankte Rinder auf den Markt. Dort konnte man sich also verhältnismäßig leicht infizieren.

Kretzschmar: Bis 1989 kam dort Rinderhirn auf den Markt – und bei der hohen Zahl der erkrankten Tiere, die es dort gab, konnte man sich damals wohl relativ leicht infizieren. Sehr wahrscheinlich haben sich die Menschen, die heute in Großbritannien an Creutzfeldt-Jakob erkranken, damals infiziert.

SZ: Bei diesen Menschen in Großbritannien hat es dann zehn Jahre gedauert hat, bis die Krankheit ausgebrochen ist.

Kretzschmar: Ja, denn die Inkubationszeit ist bei diesen Krankheiten sehr lang. Von Rindern wissen wir, dass sie bei ihnen fünf bis sechs Jahre beträgt; beim Menschen können wir einen Vergleich ziehen zu „Kuru“, einer Erkrankung der Ureinwohner von Neuguinea. Dort wurden zwei Fälle festgestellt, bei denen es vierzig Jahre dauerte, bis die Krankheit ausbrach.

SZ: Dadurch ist auch schwer vorherzusagen, wie viele Menschen an Creutzfeldt-Jakob erkranken werden.

Kretzschmar: Das ist leider unmöglich. Ich bin zwar kein Epidemiologe, aber die Experten haben äußerst unterschiedliche Zahlen vorgelegt – sie reichen von wenigen hundert bis zu mehreren Zehntausend. Da gibt es die wildesten Schätzungen und keine Gewissheit. Es kann also sein, dass uns das Thema noch zehn Jahre oder länger beschäftigt.

SZ: Für Verbraucher ist das sehr verunsichernd: Man war vielleicht früher eine Weile in England, hat viel Fleisch gegessen – und wartet jetzt, was passiert.

Kretzschmar: Wenn ich dort damals Rinderhirn gegessen hätte, wäre ich heute beunruhigt. Allerdings: Wenn ich nur Muskelfleisch gegessen hätte, würde ich mir weniger Sorgen machen. Und das Risiko war in den späten achziger Jahren sicher am höchsten. Danach wurde in Großbritannien der Konsum von Rinderhirn verboten. Das hat allerdings, wie Kontrollen gezeigt haben, nicht auf Anhieb hundertprozentig funktioniert.

SZ: Gerade haben Politiker Massentests bei Schlachtvieh beschlossen. Was erwarten Sie für die Bundesrepublik?

Kretzschmar: Das Wichtigste ist wohl, dass wir in einem bis zwei Jahren wissen, ob wir tatsächlich ein so BSE-freies Land sind, wie wir immer glauben. Das ist für die Epidemiologie wichtig. Allerdings geben die Tests dem Verbraucher keine völlige Gewissheit: Sie funktionieren völlig sicher nur bei erkrankten Tieren. Bei Tieren, die die Erreger in sich tragen, aber noch in der Inkubationszeit sind, wissen wir nicht genau, wie präzise sie arbeiten.

SZ: Essen Sie selbst noch Rindfleisch?

Kretzschmar: In Deutschland ja. Ich habe mir allerdings abgewöhnt, undefinierte Wurstwaren zu essen, weil man da zu wenig erkennt, woher das Fleisch ist und aus welchen Rinderteilen es gemacht wurde.

Die Fragen stellte Felix Berth



Weitere aktuelle Meldungen
aus Naturwissenschaft, Umwelt, Gesundheit und Technik
und
Wissenschafts-Ticker

[Zurück]

[Seitenanfang]

[Wissenschaft-Startseite]




© 2000 Süddeutsche Zeitung GmbH / SV online GmbH
Im Blickpunkt

Dossier

Frage der Woche

Diskussionsforum

Wissenschafts-Ticker

Der aktuelle Tipp

Buch-/CD-ROM-Besprechungen

Sternenhimmel

Linksammlung