Rinderwahn, 21. November 2000
Flächendeckende BSE-Tests beschlossen
Die EU-Mitglieder wollen künftig mit
flächendeckenden BSE-Schnelltests die Gefahren der Rinderseuche
eindämmen. Darauf haben sich die Landwirtschaftsminister der Union
geeinigt.
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Verbreitung von BSE in Europa (per Mausklick
vergrößern, Grafik: dpa)
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Die EU-Mitgliedstaaten wollen ab kommendem Jahr
flächendeckend BSE-Schnelltests einsetzen. Das verkündeten die
EU-Landwirtschaftsminister am Dienstagmorgen. Nach einer 17.stündigen
Marathonsitzung hatte der Agrarrat einstimmig ein Schlussdokument
verabschiedet, nach dem ab dem 1. Januar 2001 alle verendeten und
notgeschlachteten Rinder im Alter von mehr als 30 Monaten auf BSE getestet
werden.
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Risiko Rinderwahn Alles
über BSE, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die Infektionsrisiken und
BSE-Schnelltests |
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Der Streit um das Tiermehl Der
Beschluss der EU-Landwirtschaftsminister gegen ein generelles Tiermehl-Verbot
wird von deutschen Politikern unterschiedlich bewertet. |
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Was gefährlich ist und was nicht
Interview mit dem Creuzfeldt-Jakob-Experten Hans
Kretzschmar über Essgewohnheiten, Ansteckungs-Risiken und die geplanten
Tests |
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Trügerische Sicherheit BSE-Schnelltests sind kein zuverlässiger Schutz vor
der Rinderseuche |
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Wahnsinnig teuer
Ein EU-weites Verbot der Tiermehl-Fütterung
würde mehr als vier Milliarden Euro kosten |
Je
nachdem, wie diese Maßnahme greift, sollen die Tests dann ab Juli 2001
auch auf alle zum Verzehr vorgesehenen Kühe ausgeweitet werden, die vor
dem 1. Januar 1998 geboren wurden.
Wie der für Gesundheit und
Konsumentenschutz zuständige EU-Kommissar David Byrne feststellte, sollen
die flächendeckenden Tests den Verbrauchern das Vertrauen in das
Rindfleisch wiedergeben, das sie - besonders wegen der Häufung der
BSE-Fälle in Frankreich - verloren haben. Seit dort verstärkt auf die
Seuche getestet wird, ist die Zahl erkrankter Tiere stark gestiegen.
Der Beschluss ist eine
Grundsatzentscheidung
Bei dem Beschluss des Agrarministerrates
handelt es sich nach Angaben des EU-Ratspräsidenten Jean Glavany um eine
Grundsatzentscheidung. Mit deren Ausgestaltung im Detail werde sich nun der
Ständige EU-Veterinärausschuss befassen. Er tagt an diesem Dienstag
und Mittwoch in Brüssel.
Erreger in
Jungtieren nicht nachweisbar
Bei jüngeren Rindern, so die
Landwirtschaftsminister, machen die BSE-Tests keinen Sinn. Die Erreger lassen
sich bei Jungtieren nicht nachweisen, selbst wenn sie infiziert sind. Dem
widersprach allerdings die Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen,
Bärbel Höhn. "Es ist sinnvoll, Schlachtvieh schon mit 20 Monaten auf
die Seuche zu testen", erklärte Höhn. Das jüngste Tier, das mit
BSE infiziert gewesen sei, sei 20 Monate alt gewesen.
Auch
Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer hat sich inzwischen dafür
ausgesprochen, jedes Rind auf BSE zu testen, bevor es in den Verkauf komme. Wie
Manfred Gareis von der Bundesanstalt für Fleischforschung im
DeutschlandRadio Berlin feststellte, sind jedoch 60 Prozent der in Deutschland
geschlachteten Rinder nicht älter als zwei Jahre. "Der Hauptanteil des
Rindfleisches, das bei uns in die Nahrungskette gelangt, stammt also von
Tieren, die, auch wenn sie BSE hätten, mit diesem Test nicht erkannt
werden könnten", erklärte der Mikrobiologe. Erst bei Tieren im Alter
von drei Jahren sind die Tiere seiner Meinung nach sinnvoll.
Brüsseler Vorgaben lassen sich problemlos
umsetzen
Die Vorgaben aus Brüssel umzusetzen sei kein
größeres Problem, stellte Ministerin Höhn fest. Wie die
Erfahrungen in NRW zeigen, "klappt das alles reibungslos". Durch die Tests von
Millionen von Tieren kommen allerdings erhebliche Kosten auf alle Beteiligten
zu. Ein Test kostet nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums etwa 200
Mark, andere Quellen sprechen von 100 bis 400 Mark. Der deutsche
Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke erwartete eine nicht
unbeträchtliche Beteiligung der EU an der Kostenübernahme.
Keine drastischen Preissteigerungen zu
erwarten
Wie die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen
feststellte, müssen die Verbraucher trotz der Tests keine deutlichen
Preissteigerungen fürchten. Einzelnen Metzger, die schon jetzt getestetes
Fleisch anbieten, hätten bisher nur etwa 30 Pfennig pro Kilo aufschlagen
müssen.
Wie David Byrne, der französische
Landwirtschaftsminister und EU-Ratspräsident Jean Glavany, und
EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler feststellten, wollen die
EU-Mitgliedstaaten alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der
Rinderseuche in Zukunft nur noch durch gemeinschaftlich durchführen,
nationale Alleingänge sollen vermieden werden.
Importstopps gegen französisches
Rindfleisch
Die EU-Länder Österreich, Italien und
Spanien, die Importstopps gegen französisches Rindfleisch verhängt
haben, müssen nach dem Beschluss des Agrarrates ihre einseitigen
Maßnahmen vor dem Wissenschaftlichen Lenkungsausschuss der EU
rechtfertigen. Dieser wird bis Ende November ein Gutachten abgeben, auf dessen
Grundlage die Importverbote möglicherweise aufgehoben werden.
Kein generelles
Tiermehl-Verbot
Frankreich verpflichtet sich nach der
Entscheidung der Agrarminister, die einseitig national verbotenen Produkte wie
Tiermehl oder T-Bone-Steaks auch nicht in andere Länder zu importieren.
Auf ein generelles Verbot von Tiermehl einigte sich der EU-Ministerrat
jedoch nicht. Ein Verbot könne es nicht EU-weit geben, sondern nur dort,
wo die geltenden Vorschriften nicht eingehalten werden, sagte
Bundeslandwirtschaftsminister Funke in Übereinstimmung mit seinen
Amtskollegen. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer hat dagegen ein
generelles Tiermehl-Verbot gefordert. Es sei sicherer, wenn auch Schweine,
Fische und Geflügel nicht mit Tiermehl gefüttert werden dürften,
so Fischer. Sonst könnten Verwechslungen der unterschiedlichen
Futtermittel durch Landwirte nicht ausgeschlossen werden.
Quellen:
sueddeutsche.de/dpa/AP |
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