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Risiko Rinderwahn
SZ vom 19. 1. 1999, Wissenschaft
Hoffnung auf Mittel gegen BSE & Co.

Arznei hilft gegen die mit der Rinderseuche verwandte Scrapie-Erkrankung / Schnellere Diagnosen / von Markus C. Schulte

Medikament ursprünglich gegen Gefäßerkrankungen

Ein Medikament zur Behandlung von Gefäßerkrankungen schützt möglicherweise auch vor der mit der Rinderseuche BSE verwandten Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK): Wissenschaftler des Institute for Animal Health in Edinburgh berichten von einer Studie, die Hoffnung auf eine mögliche Behandlung der Krankheit im Frühstudium macht (Lancet, Bd. 353, S. 117, 1999).

Behandelte Versuchstiere erkrankten später als unbehandelte

Die Forscher infizierten Mäuse mit der ebenfalls mit BSE verwandten Schaf-Krankheit Scrapie. Die Tiere erhielten wenige Stunden nach der Infektion die Substanz Pentosan Polysulfat (PS), entweder mittels Injektion oder oral. Eine dritte Gruppe bekam eine wirkungslose Salzlösung. Behandelte Tiere erkrankten später als die unbehandelten oder gar nicht - zumindest dann, wenn ihnen das Medikament gespritzt worden war.

Medikament in Deutschland bereits zugelassen

Das Besondere der Studie: PS ist ein Medikament, das in Deutschland für die Anwendung bei Menschen bereits zugelassen ist. Andere Substanzen, die sich in früheren Tierstudien gegenüber Scrapie als wirkungsvoll erwiesen hatten, sind für den Menschen giftig.

Affen als Versuchstiere besser geeignet als Mäuse?

Ungeklärt bleibt , wie spät nach der Infektion sich PS wirkungsvoll anwenden läßt. Dazu bedarf es weiterer Studien an Tieren mit höherer Lebenserwartung, bei denen es zudem länger dauert, bis die Krankheit ausbricht. Laut Hans Kretzschmar, CJK-Forscher an der Universität Göttingen, wäre eine Behandlung von Affen ein Jahr nach deren Infektion mit BSE denkbar.

CJK bedeutet den sicheren Tod

Ob CJK-Patienten bereit sind, die Versuche abzuwarten, ist fraglich. Sie werden das Medikament vermutlich schon vorher probieren. Denn die Krankheit bedeutet den sicheren Tod etwa fünf Monate, nachdem erstmals Symptome wie Bewegungsstörungen und Demenz aufgetreten sind. Da man kaum Nebenwirkungen der Arznei kennt, gibt es zwar keine ethischen Bedenken; Hoffnung auf Heilung für Patienten in diesem Stadium hat Kretzschmar jedoch nicht.

Soforteinsatz bei Bluttransfusionen

Als Prophylaxe gegen BSE kommt PS seiner Meinung nach zehn Jahre zu spät. Denn die Wahrscheinlichkeit von Neu-Infektionen durch verseuchtes Rindfleisch sinkt. Einen Soforteinsatz kann sich Kretzschmar im Zusammenhang mit Bluttransfusionen vorstellen, bei denen die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung übertragen werden könnte. Daß PS auch die klassische CJK aufhält, ist nach Expertenmeinung unwahrscheinlich. Dieser Krankheitstyp scheint spontan direkt im Gehirn aufzutreten, die Arznei wirkt aber vermutlich eher in der Körperperipherie.

Frühzeitige Diagnose bei lebenden Erkrankten

Hoffnung auf eine schnellere Diagnose der neuen Creutzfeldt-Jakob-Variante sogar vor dem Auftreten der Symptome macht eine weitere Studie: Britische Wissenschaftler konnten in lymphatischem Gewebe von verstorbenen CJK-Patienten, aber auch in noch lebenden Symptom-Trägern die potentiellen Krankheitserreger feststellen (Lancet, Bd. 353, S. 183, 1999). Von diesem Gewebe breitet sich die Infektion in das Nervensystem aus.

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