Risiko Rinderwahn
SZ vom 16.
9. 2000, Nachrichten Gefahr im
Blut
BSE in Tierversuch erstmals durch Transfusionen
übertragen / von Christina Berndt
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Das sind schlechte Nachrichten, keine Frage. " Adriano Aguzzi
reagiert besorgt auf Ergebnisse, nach denen BSE nicht nur durch Nahrung,
sondern auch durch Blut übertragen werden kann. "Allerdings habe ich schon
seit Jahren damit gerechnet", fügt der Züricher Forscher hinzu, der
sich mit dem Rinderwahnsinn und dessen menschlicher Form beschäftigt, der
neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK).
Während
sich die europäischen Minister noch über ein Importverbot britischen
Rindfleisches streiten, wird also vermutlich bald ein neuer Streit entflammen:
über den Bann britischen Blutes. Denn erstmals haben schottische
Wissenschaftler ein Schaf durch Blut eines BSE-infizierten Tieres krank
gemacht.
Zwar ist unklar, ob die - noch sehr unreifen - Daten auch
für den Menschen gelten, doch stimmen sie den Münchner
Prionenforscher Hans Kretzschmar "sehr nachdenklich". Denn der menschliche
Rinderwahnsinn vCJK, der offenbar durch den Genuss von BSE-verseuchtem Fleisch
entstand und bislang 67 Todesopfer forderte, spielt sich sogar stärker
außerhalb des Gehirns ab als die Rinderseuche selbst.
So scheinen
es Zellen aus dem Blut zu sein, die beim Menschen die gefährlichen
Prion-Erreger in das Hirn befördern, wo sie ihr zerstörerisches Werk
beginnen. Das Wissen um den Lebenssaft als potenziellen Prionenträger hat
die deutschen Behörden bisher jedoch nicht zu einem kategorischen Verbot
britischer Blutkonserven veranlasst. Zwar wird kein Plasma aus
Großbritannien mehr für deutsche Gerinnungsfaktoren und Impfstoffe
verwendet.
Doch sieht man bisher keinen Anlass, auch den Import von
Spenderblut einzuschränken. In den USA und Kanada dürfen hingegen
Menschen, die sich mehr als sechs Monate lang in Großbritannien
aufgehalten haben, kein Blut mehr spenden. Auch die sonst nicht gerade für
ihre Sorgfalt im Umgang mit der Rinderseuche bekannten britischen Behörden
sind seit Jahren vorsichtiger als die deutschen: Sie lassen die weißen
Blutkörperchen aus gespendetem Blut entfernen, um den Prionen diesen
potenziellen Übertragungsweg abzuschneiden.
Zu dieser
Maßnahme hat man sich nun auch hier zu Lande durchgerungen: Sie soll von
Oktober 2001 an greifen. Ob dies ausreicht, ist fraglich. Denn es mehren sich
Hinweise, dass auch zellfreies Plasma die Hirnkrankheit übertragen kann.
"Deshalb habe ich Verständnis für die drakonische Entscheidung in
Nordamerika", sagt Aguzzi. "Man muss handeln, bevor es zu Zwischenfällen
kommt. "
Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut, das für
die Sicherheit deutscher Blutprodukte zuständig ist, sieht zumindest
Gesprächsbedarf: "Die Diskussion um einen Bann britischen Spenderblutes
muss kommen, aber es darf kein Versorgungsengpass entstehen. " In
lebensbedrohlichen Situationen sei eine potenziell mit vCJK-Erregern verseuchte
Blutkonserve immer noch besser als keine.
Wie stark die Krankheit
bereits unter den Menschen verbreitet ist, weiß niemand. Womöglich
handelt es sich bei den bisher an vCJK Erkrankten um Einzelfälle,
vielleicht sind sie aber auch die Vorboten einer Epidemie, die hunderttausende
von Opfern fordern könnte. Für Kretzschmar steht jedenfalls eines
fest: "Wenn wir in den letzten 15 Jahren etwas von den Prionenkrankheiten
gelernt haben, dann, dass man sehr vorsichtig sein muss. "
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