Medizin, 26. Oktober 2000
Heftige Kritik an der früheren britischen
Regierung
Untersuchungskommission wirft Staatsbeamten und Ministern
Versagen während der BSE-Krise vor
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Die Gefahr durch britisches Rindfleisch wurde
heruntergespielt (Foto: AP)
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Die früheren konservativen Regierungen von
Margaret Thatcher und John Major sind in einem britischen Untersuchungsbericht
über die BSE-Krise kritisiert worden.
Sie hätten die Gefahr
einer Übertragung des Rinderwahnsinns (BSE) auf den Menschen völlig
unterschätzt, hieß es in dem mit großer Spannung erwarteten
Bericht vom Donnerstag, den eine unabhängige Kommission unter Leitung von
Lord Phillips erstellt hat.
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Seite der britischen Untersuchungskommission (in Englisch):
BSE-Inquiry
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Aktueller SZ-Artikel Rinderwahn ohne Ende Untersuchungskommission kritisiert die BSE-Politik der
früheren britischen Regierung |
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Aktuelles Dossier Risiko Rinderwahn Steht uns
die eigentliche Seuche noch bevor?
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Beruhigungskampagne war ein
Fehler
Der Bevölkerung sei ständig versichert worden,
es bestehe keine Gefahr. Jetzt ist klar, dass diese Beruhigungskampagne
ein Fehler war, stellt die Untersuchungskommission fest. Als der
Regierung die Risiken endlich klar waren, habe sie sich inakzeptabler
Verzögerungen bei der Warnung der Bevölkerung schuldig
gemacht.
Ausgelöst worden sei die BSE-Epidemie durch die
Verfütterung von Fleischabfällen an Rinder. Dies sei ein Rezept
für ein Desaster gewesen.
Konservative entschuldigen sich
Die
Konservative Partei entschuldigte sich am Donnerstag im Parlament für die
Versäumnisse und Fehlentscheidungen ihrer Minister.
Anfang 1998
hatte die Untersuchungskommission, vom britischen Premierminister Tony Blair
ins Leben gerufen, ihre Arbeit begonnen. Ihr Bericht umfasst inzwischen
insgesamt 16 Bände und kostete 27 Millionen Pfund (92 Millionen Mark).
Hunderte Zeugen wurden befragt, Tausende von Akten überprüft.
Landwirtschaftsminister in der
Kritik
Insbesondere die Landwirtschaftsminister, die während
dieser Zeit im Amt waren, sind Gegenstand der Kritik. Die Kommission wirft
ihnen zwar nicht vor, die Gefahr für die Menschen gekannt und ignoriert zu
haben - jedoch verkündeten sie lauthals, es gäbe überhaupt kein
Risiko. So hatte etwa John Gummer, Landwirtschaftsminister von 1989 bis 1993,
versucht, seine vierjährige Tochter vor der Presse mit einem Hamburger zu
füttern, um zu beweisen, dass britisches Fleisch ungefährlich sei.
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch schon eine Katze an BSE erkrankt, ein
Beleg dafür, dass die Krankheit von Rindern auf andere Arten
übergreifen kann. Darüber hinaus wusste Gummer, dass Forscher auch
die Infektion von Menschen für möglich hielten.
Von der
Kommission befragt gab der ehemalige Minister an, er bedaure nichts und esse
noch immer britisches Rindfleisch.
Entschädigungsfond für BSE-Opfer
angekündigt
Der britische Verbraucherverband dagegen warnt,
die Krise sei noch keineswegs zu Ende. Erst vor wenigen Tagen hatte die
Regierung einen Impfstoff gegen Kinderlähmung zurückgezogen, weil
dieser möglicherweise BSE übertragen kann. Der Impfstoff war schon
etwa 35 Millionen Mal verabreicht worden, bevor herauskam, dass der Hersteller
Medeva entgegen früheren Behauptungen Bestandteile britischer
Rinderföten verwendet hatte.
Nachdem in Großbritannien schon
73 Menschen an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben
sind, hat die britische Regierung jetzt beschlossen, einen
Entschädigungsfond für BSE-Opfer im Umfang von mehreren Millionen
Pfund einzurichten.
Quellen: sueddeutsche.de / dpa
Zum Dossier: Risiko Rinderwahn
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