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Fährunglück in der Ägäis: Mordanklage gegen Besatzung

Mindestens 66 Tote / Viele Menschen werden noch vermisst

Express Samina
Die Fähre „Express Samina“


Der erste Offizier der griechischen Fähre „Express Samina“ hat die Verantwortung für die Katastrophe mit mindestens 66 Toten übernommen. Viele Passagiere werden noch vermisst. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits Anklage wegen Mordes erhoben.

Die „Express Samina“ war am Dienstagabend gegen ein weithin sichtbares Riff geprallt. Nach Berichten des griechischen Rundfunsk sagte der Offizier, er habe die Distanz des Schiffs zum Land nicht richtig geschätzt. Die Fähre sei vom Wind auf das Riff getrieben worden.

„Ich bin kurz von der Brücke weggegangen, um ein Fußballspiel zu sehen“, soll der erste Offizier dem Bericht nach gesagt haben. Als er wenig später auf die Brücke zurückkehrte und dem Steuermann den Befehl gab, um fünf Grad nach links auszuweichen, war es zu spät. Auch ein zweiter Versuch, das Riff mit einer neuen Drehung um weitere fünf Grad zu meiden, war vergeblich. Danach übernahm der Erste Offizier selbst das Steuer.

Bislang wurden 54 Leichen identifiziert. Justizminister Michalis Stathopoulis nannte als Ursache für das Unglück „kriminelle Fahrlässigkeit“.

Besatzungsmitglieder verhaftet

Der Kapitän Vassilis Yannakis und vier leitende Besatzungsmitglieder wurden verhaftet. Die Ermittlungen gehen auch der Frage nach, warum die Küstenwache erst nach fast 20 Minuten vom Sinken des Schiffs unterrichtet wurde.

Die 34 Jahre alte Fähre prallte 3200 Meter vor dem Hafen der Ferieninsel Paros gegen den Portes-Felsen, der auf jeder Seekarte verzeichnet und mit einem elf Kilometer weit sichtbaren Leuchtfeuer markiert ist. Das 115 Meter lange und 4.407 Tonnen große Schiff schlug leck, brach auseinander und ging in kurzer Zeit unter.

Griechische Medien berichteten, dass der Kapitän der „Express Samina“ einen sehr schlechten Ruf hatte. Ein Athener Fernsehsender berichtete, dass der Mann Ende der 80-er und Anfang der 90-er Jahre mit seinen Schiffen einmal in der Dodekanes nahe der Insel Chalki und einmal in der Region der Mittelmeerinsel Kreta auf Felsen gefahren war.

Augenzeugen zufolge war eine halbe Stunde nach Beginn des Unglücks nichts mehr von der „Express Samina“ zu sehen. Fachleute äußerten blankes Entsetzen, dass die Fähre gegen den gut ausgezeichneten Felsen prallte. „Man muss blind sein, es nicht zu sehen“, sagte der Chef der griechischen Küstenwache, Andreas Sirigos.

Genaue Zahl der Fahrgäste unklar

An Bord des Schiffs waren nach Angaben der Reederei Minoan Flying Dolphins 447 Passagiere und 63 Besatzungsmitglieder registriert. Die genaue Zahl der Fahrgäste war aber unklar, weil die an Bord verkauften Tickets nicht bekannt waren und Kinder unter fünf Jahren keinen Fahrschein brauchten.

An Bord waren zahlreiche Ausländer aus Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz, Norwegen und den USA. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, waren elf Ärzte aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern unter den Schiffbrüchigen. Außerdem sei eine dreiköpfige Familie aus Hessen aus dem Wasser geborgen worden. Vier weitere Deutsche überlebten das Unglück ebenfalls. Über ihre Identität und Herkunft sei aber noch nichts bekannt.

Rettungsarbeiten
Hubschrauber unterstützen die Rettungsarbeiten




Der überlebende deutsche Arzt Erich Schröder aus Hamburg kritisierte die Besatzung: „Der Kapitän war einer der Ersten im Rettungsboot. Ihm ist nichts passiert“, sagte der Mediziner dem Mannheimer Morgen. Nach seinen Angaben starben viele Kinder, weil sie die Rettungswesten nicht allein anlegen konnten. Die Besatzung habe nichts zu ihrer Rettung getan.

Die Such- und Rettungsaktion ging auch in der Nacht zum Donnerstag weiter. Die Bergungsarbeiten werden von stürmischer See behindert. An der Aktion beteiligen sich Schiffe der griechischen und der britischen Marine, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in einem Manöver befanden. Auch Flugzeuge und Hubschrauber waren im Einsatz.


Quellen: sueddeutsche.de/dpa/AP


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